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Mein Auslandspraktikum in Down Under

 
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Ameli
Rucksacktourist
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Anmeldedatum: 08.10.2009
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: Di Okt 26, 2010 10:42 am    Titel: Mein Auslandspraktikum in Down Under

Ich wollte schon immer einmal nach Down Under in meinem Leben. Und wenn ich dort sogar noch arbeiten kann und Land und Leute hautnah miterleben kann, dann war das genau das Richtige für mich, um meine Abenteuerlust zu stillen.
Doch wie erreiche ich solch ein Ziel ohne große Schwierigkeiten, um möglichst viel Zeit für das Leben, Arbeiten und Reisen zu verbringen ?

Schon seit meinem FSJ habe ich angefangen, Geld zurück zu legen (was sich wirklich gelohnt hat!). Da ich von meiner Uni aus (ich studiere Soziale Arbeit), zwei Praktika absolvieren muss und ich das erste bereits absolviert habe, war es an der Zeit, darüber nachzudenken, ob mein mühselig zusammen gespartes Budget für ein Auslandspraktikum in Australien ausreicht (und das tat es).

Doch wie sehen die nächsten Schritte aus?
Im Internet informierte ich mich über verschiedene Internetseiten schon relativ frühzeitig (ca. ein Jahr vor Antritt des Praktikums. Man kann schon im Großen und Ganzen sagen, dass ein Auslandspraktikum definitiv mehr Zeit und Mühe in Anspruch nimmt als ein Praktikum in Deutschland, aber es lohnt sich auf jeden Fall, diese Erfahrungen zu sammeln und seinen Erfahrungshorizont zu erweitern).

Im Internet stieß ich dann auf die Seite von world-of-xchange und fand deren Programm recht informativ und hilfreich. Vor allem hat mir sehr gut gefallen, dass man sich den Ort und verschiedene Wünsche angeben kann, in welchen Bereichen man arbeiten möchte. So habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt und es gab mir ein Gefühl von Sicherheit, falls etwas vor Ort passiert oder ich Schwierigkeiten in der Einrichtung haben sollte, immer jemand da ist, der mir hilft und mich unterstützt.

Ich bekam einen Platz in einer Schule in North Bondi in Sydney (der Bondi Beach ist auch nicht weit davon und ist der Strand schlechthin in Sydney, wo man die meisten Surfer antrifft).
Dies ist eine Schule für körperlich und geistig behinderte Kinder. Zwar habe ich schon mit geistig und körperlich behinderten Erwachsenen gearbeitet, war aber sehr gespannt auf meine neuen Aufgaben und neue Herausforderungen.

Nun konnte es los gehen! Ich flog von Frankfurt bis Sydney. Total zerknautscht kam ich nach 24 Stunden Flug in Sydney am International Airport frühmorgens, samstags, um 6:20 Uhr an. Eine Lehrerin von der Schule war so nett und hatte sich bereit erklärt, mich abzuholen und in die Unterkunft zu bringen.
Als sie mich auf Englisch begrüßte, und ich die ersten Worte auf Englisch sagte, war ich erleichtert, dass ich sie recht gut verstehen konnte. Man ist auch relativ schnell wieder drin und kann recht gut small talk machen.
Dies war sehr angenehm,dass sie mich abholte, weil so konnte sie mir auch gleich auf dem Weg in meine Unterkunft die Schule zeigen, da beides relativ nah beieinander lag.
Was mir zu erst auffiel war, dass die Schule von einem hohen Zaun umgeben war. Die Lehrerin erklärte mir ein bisschen etwas über die Schule und die Kinder. Die meisten Kinder dort haben Autismus und es sind immer ca. 5-6 Schüler in einer Klasse (es sind an die 60 Schüler insgesamt). Das Alter der Kinder ist unterschiedlich, die jüngsten sind 4 und die ältesten 18 Jahre. Danach verlassen sie die Schule.
Wir fuhren nach Bellevue Hill, wo ich Shirley traf, die mir die Schlüssel gab und mir mein Zimmer zeigte, welches ich mit einer netten Kolumbianerin für die nächsten 7 Wochen teilte.Das restliche Wochenende verbrachte ich damit, mir die Gegend anzusehen und den Jetlag irgendwie loszuwerden.

Montags ging um halb 9 die Schule los. Da ich Geld sparen wollte, lief ich das Stück zur Schule. Es dauerte eine halbe Stunde bis ich endlich die Schule erreicht hatte. Es war mir eine sehr große Hilfe, dass die Lehrerin und zugleich Anleiterin mir die Schule noch am Samstag gezeigt hatte, als sie mich abholte.


Recht versteckt liegt sie in einer ruhigen, wenig befahrenen Wohngegend in der Nähe vom Bondi Beach.
Ich war aufgeregt, als ich das erste Mal den Eingang der Schule betrat.
Was wird mich wohl erwarten? Und, was erwarten die Lehrer von mir und meiner Arbeit?
Viele Fragen schossen mir durch den Kopf, wollte aber erst mal alles auf mich zukommen lassen und sehen, was ich alles an meinen praktischen Erfahrungen, die ich gesammelt habe in meinem letzten Praktikum, FSJ und Freizeiten, anwenden kann.

Jetzt, im Nachhinein kann ich sagen, dass der erste Tag einer der aufreibensten und anstrengensten war. Man kennt die Kinder noch nicht und weiß anfangs nicht, wie man mit ihnen umgehen soll. Aber nach einigen Tagen geht das, kennt die Kinder besser und man bekommt eine Routine in seine Arbeit.

Das Grundstück der Schule ist recht groß und wenn man das Tor der Schule betritt, kommt man auf einen Vorplatz, wo die Kinder immer mit den Taxis und Bussen hingebracht werden.
Als ich ins Foyer kam, wurde ich auch gleich in das Büro von Penny zitiert. Mit mir waren noch zwei Praktikantinnen aus Dänemark anwesend, die auch, so wie ich, ihren ersten Tag hatten. Noch etwas schüchtern schauten wir uns an und begrüßten uns.
Penny erklärte uns allen, was auf uns zukommen wird und was wir für Aufgaben haben werden. Ihr Englisch war etwas schnell, aber recht einfache Worte wählte sie, sodass es für uns möglich war, sie zu verstehen.

Die erste Hürde war also schon mal geschafft. Nun wurden wir eingeteilt und sollten die Kinder von den Bussen abholen und auf den Schulhof bringen.
Die ersten Busse fuhren in den Hof und wir waren gespannt, was uns jetzt erwarten würde. Unsere Namen wurden aufgerufen und wir bekamen Kinder zugeteilt.
Um ehrlich zu sein, fühlte ich mich anfangs etwas verloren. Man kannte die Kinder noch nicht, die Formen ihrer Behinderungen, das Kollegium und ihre Erwartungen an uns.
Unabhängig von meiner Universität sollten wir von der Schule aus, ein Projekt erstellen. Das Themengebiet war uns selbst überlassen.
Da die beiden Däninnen bis Ende diesen Jahres in Australien sein werden, haben sie bezüglich des Projekts einen Vorteil. Sie hatten noch ein bisschen mehr Zeit als ich, sich Gedanken über dieses Projekt zu machen.

Allerdings galt an diesem ersten Tag, zusehen und lernen.
Ich stand mit den Dänen und einer Australierin im Pausenhof und fühlte mich noch etwas hilflos, beobachtete aber zuerst alles und stellte Fragen, wenn ich etwas sah, was ich nicht erschließen konnte.
Nach der Pause kam ich in Annettes Klasse. Die Kinder waren zwischen 9 bis 14 Jahre alt und hatten unterschiedliche Behinderungen.
An diesem Tag war ein ,,casual teacher“ anwesend (Vertretungslehrer) und hat Annette vertreten. Ich fand die Unterrichtsgestaltung echt sehr hilfreich für die Kinder. Sie sollten anhand von der Smartboard Präsentationen jeden Tag im ,,morning circle“ erkennen, wer am heutigen Tag anwesend ist, die Namen mit den entsprechenden Kindern erkennen und das Wetter definieren (Autistische Kinder haben kein Empfinden für Kälte und Wärme).
Die Kinder waren recht lieb und hörten der Lehrerin zu und befolgten ihren Anweisungen. Nach dem ,,morning circle“ gab es ,,morning tea“. Die Kinder waren auch schon recht hungrig und warteten ungeduldig, dass wir schnell zum Abschluss kommen, um endlich essen zu können.

Nach dem Essen gab es eine Pause. Es gibt insgesamt zwei Pausenhöfe. Auf dem oberen ,,top playground“ waren die kleinen Kinder vertreten. Auf dem unteren ,,bottom playground“ waren die älteren Schüler. Beide Höfe hatten sogar Trampoline auf denen die Kinder springen und sich austoben konnten. Es machte ihnen meist mehr Spaß, wenn jemand von uns mit ihnen sprang.

Es gab für jede Pause einen Betreuungsplan. Einige Kinder brauchen eine 1:1 Betreuung, deswegen wurden wir Praktikanten und overseas students eingeteilt.

Nach der Pause ging es weiter mit dem Unterricht. Es gab unterschiedliche Fächer wie Musik, Schwimmen (nur einige Kinder hatten schwimmen. Die Schule hat ein eigenes Schwimmbad und dort gibt es die Möglichkeit, dass die Kinder sich bewegen können, ohne ihre Knochen dabei zu belasten wie beim Laufen beispielsweise), boy/girl talk, story etc.
Die Schule geht bis meist bis 15, 15.30 Uhr. Je nachdem, wie viel zu tun ist mit der taxi line.

Meine Aufgaben im Allgemeinen waren:
· Essen vorbereiten und den Kindern beim Essen helfen
· Körperpflege (z. B. Gesicht reinigen/Hände reinigen
· Betreuungsaufgaben in der Pause (ein mal am Tag hatte jeder overseas student Pausenaufsicht 25 Minuten), Taxi line (die Kinder wurden mit Taxis und Bussen in die Schule gebracht und wieder abgeholt. Die ganzen overseas students mussten die Kinder abholen und sie entweder auf den Pausenhof begleiten oder zurück zu ihren entsprechenden Taxis und Bussen bringen), sowie bei Veranstaltungen (jeden Freitag war assembly. Dort begleiteten wir sie hin).

Als es dann zum Schulprojekt kam, entschied ich mich für das Thema ,,Ernährung“ und zeigte den Kindern spielerisch mithilfe der Smart-Board Präsentation, die ich selbst erstellt habe, was gesundes Essen ist und welches weniger gesundes Essen ist. Anschließend kochten wir zusammen oder bereiteten etwas zum Essen vor.
Die etwas fitteren Kinder haben dabei besondere Aufgaben erledigen dürfen wie Obst oder Gemüse schneiden (viele Kinder können nicht mal ein Messer richtig halten. Dies sollte anhand der Übungen geübt werden). Der Rest der Kinder war auch involviert in das ganze Geschehen und es machte ihnen Spaß, wenn sie etwas erledigen durften.
Das hatte allen gut gefallen und mir hat es auch sehr viel Freude bereitet, die fröhlichen und etwas verschmierten Gesichter der Kinder zu sehen.

Tätigkeiten, wie Klassenzimmer sauber halten gehörte auch zu meinem Aufgabengebiet. Zwar hat jeder Klassenlehrer eine Hilfe, die sich um die Hygiene sowie die Pflege und Betreuung während der Unterrichtseinheit kümmerte, aber den meisten Lehrern ist es zusätzlich eine Hilfe, wenn wir mitgeholfen haben.

Natürlich fand sich während meines gesamten Aufenthalts in Australien auch die Möglichkeit, zu reisen oder sich etwas anzusehen (meist an den Wochenenden und dann in dem Zeitrahmen, als ich Urlaub hatte).
Ich versuchte, recht viel zu unternehmen.
So flog ich zum Beispiel nach Cairns, um tauchen zu gehen. Das war ein Abenteuer und Highlight!
Wir fuhren mit einem Boot raus aufs offene Meer zum Great Barrier Reef um dort zu schnorcheln und zu tauchen.
Mit einem Tauchguide gingen wir unter Wasser, nachdem wir alles erklärt bekamen.
Was für ein Erlebnis! Wir fütterten unter Wasser eine Schildkröte mit Seegras, sahen einen Clownfisch und durften auch mal eine Seegurke berühren.


Die Australier sind sehr offen und kontaktfreudig. So sollte man auf jeden Fall ein BBQ am Strand machen. Ich habe dort einige Leute kennen gelernt aus Australien, Italien, Deutschland, England und Kolumbien. Mit ihnen sind wir an einem schönen Tag zum Bronte Beach in Sydney gefahren und haben dort gegrillt (die Australier grillen recht oft und gerne).

Ein ,,must do in Australia“ ist mal ein Känguru zu streicheln und Koalas auf den Arm nehmen. Das kann man im Cairns Zoo ziemlich gut. Ich besuchte den Zoo bei Nacht.
Zuerst gab es ein BBQ mit Buffett und nachdem wir uns gestärkt hatten ging es zum Tiere bestaunen.
An einem Lagerfeuer waren recht viele zutrauliche Kängurus, die man streicheln und füttern durfte.

Jetzt, nachdem ich wieder in Deutschland bin und von Freunden, Verwandten und Kommilitonen gefragt werde, wie Australien war, kann ich diese Zeit einfach nicht in einem Wort zusammenfassen.
Ich bin, trotz der vielen anfänglichen Schwierigkeiten mit Kreditkarte, Internet und dem ganzen Aufwand für mein Praktikum, sehr froh, diese Erfahrungen hier machen zu können, die mir nicht nur Wissen sondern auch viel Erfahrungen für mein Leben bringen werden und werde mich immer an die schöne Zeit erinnern, die ich dort verleben konnte.
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